Brains before Beauty
So steht es als Leitsatz über dem Zuchtprogramm dieser Rasse. Der Border Collie gilt darin als zäher, hart arbeitender Hütehund von außergewöhnlicher Intelligenz und Führigkeit. Und das Programm zielt ausdrücklich auf die Erhaltung dieses ursprünglichen, gesunden und wesensfesten Arbeitshundes. Gesundheit und Wesen haben Vorrang vor rein ästhetischen Merkmalen.
Das ist bei dieser Rasse keine Floskel. Sie ist in Arbeits- und Showlinien geteilt, und diese beiden Richtungen entwickeln sich auseinander. Das Programm zieht deshalb für alle Zuchtrichtungen denselben verbindlichen Mindeststandard an gesundheitlicher Sorgfalt ein, damit die Rasse nicht in gesunde Arbeiter und kranke Schönheiten zerfällt.
Nichts zu sehen
Es gibt Befunde, die man an einem Hund erkennt, wenn man weiß, worauf man schaut: eine Rückenlinie, eine Fanglänge, ein Gang. Und es gibt einen, den niemand sieht — auch der Hund selbst merkt sein Leben lang nichts davon.
Ein Gendefekt kann dazu führen, dass ein Hund auf ganz gewöhnliche Arzneiwirkstoffe schwer reagiert: auf den Wirkstoff verbreiteter Entwurmungsmittel etwa oder auf ein häufiges Mittel gegen Durchfall. Nicht mit Unwohlsein — mit einer lebensbedrohlichen Vergiftung des Nervensystems. Das Zuchtprogramm dieser Rasse schreibt den Gentest darauf deshalb verpflichtend vor.
Der Tag, an dem sich das zeigt, ist nicht der Tag des Zuchteinsatzes. Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag: eine Wurmkur, ein Durchfall, eine Behandlung.
Auch der Träger
Bei den meisten Erbanlagen, auf die geprüft wird, gilt: Ein Träger ist ein gesunder Hund. Er trägt die Anlage einfach, er erkrankt nicht daran, und die Zuchtregel sorgt dafür, dass aus ihm keine kranken Welpen hervorgehen. Das ist der Normalfall, und er ist an anderer Stelle beschrieben: warum ein Anlageträger ein gesunder Hund ist.
Bei dieser einen Empfindlichkeit liegt es anders. Auch ein Hund, der die Anlage nur einfach trägt, kann bereits empfindlich reagieren. Damit ist der Befund nicht nur eine Frage der Zuchtplanung. Er ist eine Frage der Behandlung dieses einen Hundes — Ihres Hundes.
Muss mitgehen
Ein Zuchtprogramm kann eine Anlage aus den Nachkommen heraushalten. Was es nicht kann: einen Hund davor bewahren, dass ihn irgendwann jemand behandelt, der nichts von ihr weiß.
Deshalb hört das Programm an dieser Stelle nicht bei der Verpaarung auf. Wo ein solcher Befund vorliegt, ist die Zuchtzulassung ausdrücklich daran gebunden, dass die Welpenkäuferinnen und Welpenkäufer unmissverständlich und schriftlich über das Risiko aufgeklärt werden, und dass ihnen nahegelegt wird, jede behandelnde Tierärztin und jeden behandelnden Tierarzt über den Status des Hundes zu informieren.
Das ist der ungewöhnliche Teil daran: eine Zuchtauflage, die nicht im Zwinger endet, sondern im Wartezimmer.
Was Sie davon haben
An einem acht Wochen alten Welpen ist nichts davon zu sehen. Nicht die Gelenke, nicht die Augen, nicht diese Empfindlichkeit. All das entscheidet sich vor dem Wurf: bei den Elterntieren, im Labor und in der tierärztlichen Untersuchung.
Sie müssen dafür keine Befunde lesen und auch nicht danach fragen. Ob die Elterntiere nach dem Programm dieser Rasse zuchttauglich befundet waren, steht im Zertifikat des Welpen. Auf der Urkunde steht ein Kontrollcode: Den tippen Sie händisch auf der ZEUS-Website ein und sehen selbst, ob das Zertifikat echt ist und zu diesem Hund gehört. Für Sie kostenlos.
Ein Befund ist erst dann etwas wert, wenn er dort ankommt, wo behandelt wird.
Untersucht, befundet, dokumentiert — und dann weitergegeben an die Menschen, die den Hund die nächsten fünfzehn Jahre begleiten. Erst diese letzte Strecke macht aus einer Zuchtvorschrift einen Schutz für das einzelne Tier.
